Schwindel und Gleichgewicht

Wenn einem Menschen «schwindlig» ist, fühlt er sich durch ein Drehen oder Schwanken der Umgebung unsicher. Die Beschreibung der Art des Schwindelgefühls ist bereits für die Ursachenfindung und Schlussfolgerungen für eine Behandlung für den Arzt sehr wichtig. Das Gefühl des Schwindels vermittelt dem Menschen eine fehlende Orientierung im Raum. Alles scheint sich zu drehen, die «Standfestigkeit» ist nicht mehr gewährleistet, allgemeines Unwohlsein begleitet dieses Gefühl.

Unsere Orientierung basiert auf drei Säulen:

  • das Gleichgewichtsorgan im Ohr
  • das visuelle System
  • das propriozeptive System (Informationsfluss über Tastsinn, Gelenke und Muskelbewegungen zum Gehirn)

Sobald eines dieser Systeme erkrankt ist oder die Regulationsfähigkeit des Gehirns gestört ist, macht sich Schwindel bemerkbar.

Neben dem Innenohr liegt das Gleichgewichtsorgan. Der HNO-Arzt überprüft daher, ob eine Erkrankung des Ohres und/oder des Gleichgewichtsorganes vorliegt. Da das «Schwindelgefühl» oder Probleme mit dem Gleichgewicht auch andere Ursachen haben kann, zieht der HNO-Arzt gegebenenfalls weitere Spezialisten (z.B. Neurologe, Kardiologe, Internist) hinzu.

Eine genaue Diagnose kann dann zu einer effektiven, detaillierten Behandlung führen.
Zunächst erstellt der Arzt gemeinsam mit dem Patienten eine genaue Anamnese. Es folgt die fachärztliche Untersuchung durch den HNO-Arzt. Hierbei gibt es verschiedene diagnostische Verfahren wie z.B. die Messung der Augenbewegung, die Lagerungsprüfung (bei Lagerungsschwindel), der Kopfimpulstest (hilft bei der Unterscheidung neurologisch bedingten oder Innenohrschwindels).

Es gibt weiterhin eine Reihe von Untersuchungsmethoden, die mit Hilfe modernster Technik z.B. die Koordinationsfähigkeit testen oder bestimmte Teile des Gleichgewichtsorgans messen. Auch eine Computer- oder Kernspintomografie können Aufschluss über die Herkunft des Schwindels im Körper des Patienten geben.

Basierend auf der ermittelten Ursache wird eine Therapie abgestimmt,
die medikamentenbasiert oder auch ein gezieltes Schwindeltraining sein kann.

Halswirbelsäule (HWS) und Schwindel (zervikogener Schwindel)

Die Wirbelsäule ist die Längsachse unseres Skeletts mit 24 Wirbeln und hält uns aufrecht! Der obere Teil der Wirbelsäule wird als Halswirbelsäule (HWS) bezeichnet. Dies sind 5+2 Wirbel zwischen Kopf- und Brustwirbelsäule (bezeichnet mit C1-C7, «C» steht für Cervical spine = Halswirbelsäule). Sie ist der beweglichste Teil der Wirbelsäule. Die beiden obersten, also dem Kopf direkt angelagerten Wirbel, sind 2 Kopfgelenke mit der Bezeichnung «Atlas» = Nicker und «Axis» =Dreher und haben, entsprechend ihrer Funktion, eine von allen anderen Wirbeln abweichende, besondere Form. Daran anschliessend befinden sich 5 weitere Halswirbel. Der oberste Wirbel «Atlas» hat die Form eines Ringes und trägt den Kopf. Der gesamte Aufbau der HWS wird durch die Nacken- und Rückenmuskulatur gestützt.

Das Gleichgewichtsorgan, welches im Mittelohr platziert ist, lotet ständig unsere Kopf- und Körperhaltung aus, um das System «im Lot» zu halten. Wenn eine Fehlhaltung, Abnutzung oder unfallbedingte Veränderung der Halswirbelsäule vorliegt, kommt es über die Nervenfasern zu einer Fehlermeldung an das Gleichgewichtsorgan. Das System gerät wortwörtlich ins Wanken, weil das Gleichgewichtssystem die Fehlstellung ausgleichen will; der Patient verspürt dieses Ausgleichen als Schwindel.

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